Personen

Der Mátéfi-paar

Trachten als Bestandteil der Kultur

Wir besuchen die Näherin Zita Mátéfi und ihren Mann Csaba
  • Das Nähzimmer
  • Zita und Csaba
  • Im Laden kann man Trachten kaufen oder mieten
Ein Vormittag im Janaur, kaum Schnee, dafür sind die Felder gefroren. Mit dem Auto fahren wir raus aus Keresztur und ins nächste Dorf: „Alsóboldogfalva “
Hinter dem Gartentor der Familie Mátéfi begrüßt uns laut bellend ein Hund, dann betreten wir die Seitentür zur Näherei. Es ist ein kleiner Raum: Auf dem Tisch stapeln sich Stoffe, die fertigen Kleider hängen an der Wand. Es ist still hier drinnen, die Nähmaschinen ruhen, nur das Feuer im Ofen ist zu hören.
Aber Zita Mátéfi hat viel zu erzählen. Weil die örtliche Volkstanzgruppe anfangs keine traditionellen Trachten zur Verfügung hatte, begann sie, diese selbst herzustellen. Seit 2003 näht sie für Geld und hat seitdem ihren Pool an Kleidern ständig erweitert. Grund sind die verschiedenen Motive innerhalb des Szeklerlandes. Von Region zu Region varriiert das Aussehen der Kostüme: In Székelykeresztúr sehen die Kleider zum Beispiel anders aus als in Siklod 30 Kilometer weiter. Möchte sie für ein größeres Gebiet Kleidung zum Kauf oder zur Vermietung anbieten, ist ihre Näharbeit auch entsprechend variabel.
Schnell wird uns klar, wie sehr diese Näharbeiten hier Teil der Kultur ist – eine tief verwurzelte Tradition mit langer Geschichte.
Neben den Symbolen, anhand denen man die Herkunft des Trägers erkennt, spielt auch die Farbe eine Rolle: Helle Kleider sind Mädchen vorbehalten, mit dem Alter werden die Stoffe dunkler. Vor langer Zeit trugen selbst die Bräute schwarz, um die Trauer ihrer Jugend zu symbolisieren.
Während aber Trachten früher zur Alltagskleidung gehörten, ist sie heute meist nur besonderen Anlässen vorbehalten: Für Hochzeiten und Taufen, kirchlichen Festen, Aufführungen oder Wettbewerben. Und: zum Tanzen!
  • Rosen sind ein typisches Symbol in der Region
  • Ich ziehe ein Kostüm für Männer an. Es ist weniger variabel im Vergleich zu den Kleidern für Frauen und Mädchen.
  • Die Tulpe ist ein wiederkehrendes Symbol der ungarischen Kultur
Csaba Mátéfi kommt herein, einen frischen Holzscheid für den Ofen in der Hand. Wie seine Frau ist er als Lehrer in der Volkstanzgruppe engagiert. Sie veranstalten Tanzlager im In- und Ausland. „Wir wollen das kulturelle Erbe, den siebenbürgischen Volkstanz bewahren“, sagt er.
Während das Feuer wieder auflodert, erklärt Csaba das langsame Verschwinden des Brauchtums. Im zweiten Weltkrieg habe es zunächst eine Läuseplage gegeben, in riesigen Haufen wurde die Kleidung verbrannt. Danach konnte sich die Tradition während des Kommunismus zunächst halten. „Die Grenzen waren geschlossen, der Westen hatte keinen Einfluss auf Siebenbürgen, die Kultur konnte in der alten Form weitergelebt werden.“ Heute ginge all das durch die Globsalisierung verloren. Menschen zöge es weg von Zuhasue, in die Städte und ins Ausland. Den Stoff, den Zita zum Nähen verwendet, stelle nur noch eine 70 Jährige Frau in der Nachbarschaft auf ihrem alten Webstuhl her. „Sie ist bereit, ihr Wissen an jeden weiterzugeben, aber niemand webt mehr, die historischen Berufe sind verschwunden“
Aber seien nicht offene Grenzen und eine bessere Infrastruktur das bessere Los?, hake ich nach.
Wenn er entscheiden müsste, die gelebte Tradition, aber sehr einfache Lebensbedingungen wie früher oder die Welt heutzutage?
Er lacht mich an – das ist doch keine Frage.
Wenn diese Geschichte Ihr Interesse geweckt hat, mehr über das ländliche Siebenbürgen zu erfahren, können Sie uns gerne kontaktieren:
· office.ata@gmail.com (unsere Jugendorganisation)
· office.aacs@gmail.com (die lokale Organisation der Landwirte in und um Cristuru Secuiesc)

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