Geschichten
Erntedankfest
Kindergarten · Erntedankfest
Der Kindergarten ist an diesem Morgen ein Wimmelbild, aufgeregt rennen die Kinder umher. Manche sind schon in ihre Kostüme gekleidet und präsentieren sich stolz vor den anderen – denn heute findet hier ein Fest statt: „Szüreti mulatság“ (übersetzt in etwa: Weinlese-Fest). Wenn im Szeklerland die Weintrauben reif sind, also zwischen August und Oktober, dann wird in den Dörfern und Städten Woche für Woche gefeiert.
Ein bisschen Geschichte
Früher waren die Großmütter für die Kostüme zuständig.
Ein König und eine Königin wurden aus den Roma gewählt, Musiker eingeladen. Das Paar eröffnete den Ball. Nachdem sie zu tanzen begannen, durften ihnen andere folgen. Während des Festes hingen Weintrauben an der Decke. Diese galt es zu stehlen, ohne gesehen zu werden. Entdeckte Diebe mussten etwas Geld spenden.
Hier das Video des Balls in Siklod vor einigen Jahren:
An dieser Veranstaltung nimmt normalerweise der ganze Ort Teil. Wir sind heute eingeladen, die Feierlichkeiten im Kindergarten zu begleiten, die sich am „echten“ Fest orientieren.
10 Uhr. Der Platz vor dem Gebäude ist geschmückt mit Stroh, Weintrauben und Kürbissen. Ringsum stehen die Eltern der Kinder und zücken die Kameras. Da öffnet sich die Tür, und Reihe um Reihe strömen die kostümierten Kleinen heraus, gekleidet in Weiß, Rot und Schwarz – Jetzt Musik, bitte! Eine Erzieherin beginnt, auf dem Akkordeon zu spielen, begleitet von 2 Violinisten. Hinterdrein trippeln die Tänzer, stellen sich auf und führen vor, was sie in den letzten Wochen einstudiert haben. Nicht immer synchron, aber wie die Älteren als Paare: Die Mädchen im Kleid, die Jungen mit Hemd und Hut, so drehen sie sich, stapfen vor – zurück – zur Seite – ran....
Zwischen den Tänzen tragen die Kinder Lieder vor.
Hier ein Beispiel:
Ide jöttünk muzsikálni
Jó mulatságot csinálni
Aki minket nem állhat
Egye meg a búbánat
Wir sind gekommen, um Musik zu machen,
ein großes Fest zu feiern.
Wer uns nicht mag,
wird von der Traurigkeit gegessen.
Nach einer guten halben Stunde endet das Tanzen, Weintrauben werden herumgereicht. Dann besteigen Tänzer und Musiker 2 Pferdekarren für den traditionellen Umzug: Sie durchqueren die Stadt und stoppen bei einem Haus, wo man – gegen eine Tanzvorführung – Essen und Trinken für die Kinder vorbereitet hat.
5 Minuten später: Wir kehren mit einem saftigen Pfannkuchen in der Hand nach Hause zurück, aber hinter uns startet die Prozession langsam von Neuem. So geht es weiter, zum nächsten Haus, neugierig von den Bewohnern der Straße verfolgt...
Wenn diese Geschichte Ihr Interesse geweckt hat, mehr über das ländliche Siebenbürgen zu erfahren, können Sie uns gerne kontaktieren:
· office.ata@gmail.com (unsere Jugendorganisation)
· office.aacs@gmail.com (die lokale Organisation der Landwirte in und um Cristuru Secuiesc)
